Teil eines Werkes 
2. Bd. (1856)
Entstehung
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Madame Wohlgemuth fügte ſich endlich darein, ver⸗ langte aber mit allem Eifer, daß Louiſe nun auch von den Familienzimmern gänzlich fern bliebe. So ſaß ſie denn in der dunkeln Krankenſtube, horchte den Phantaſien der Leidenden, rückte ihre Kiſſen zurecht, miſchte ihr Getränk und erwartete mit Faſſung den Augenblick, da ein Leben entfliehen würde, das ihr jetzt theurer erſchien als ſie ſonſt wohl geglaubt.

Der Tod iſt ein ernſter Mahner. Louiſe ſah ihn hier zum Erſtenmal an ein Menſchenherz treten.

Es war Mitternacht, der Arzt war um zehn Uhr bei der Leidenden geweſen und hatte erklart, daß ſie unrettbar ſei.

Düſter brannte die kleine geſchirmte Lampe auf dem Tiſch, an dem Louiſe ſaß.

Die Handarbeit, mit der ſie ſich beſchäftigt hatte, war in ihren Schooß geſunken, und tauſend Erinnerungen durchzogen ihre Seele. Sie gedachte der Zeit, wo ſie ein einfältiges Kind, ſo eifrig, ſo ängſtlich Gott geſucht hatte. Hatte ſie ihn denn jetzt gefunden? war ſie ihm näher getreten im Laufe der Jahre? Hier vor ihr lag ſchwer athmend und leiſe röchelnd die Sterbende, die nun bald die Pforte durchſchreiten ſollte, die Zeit und Ewigkeit trennt. Was ſtand ihr bevor? war der Augenblick des To⸗

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