Teil eines Werkes 
2. Bd. (1856)
Entstehung
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ſam, wie es doch nun eigentlich an der Zeit ſei, die Angelegenheit zu fördern, zumal er für ſein Theil gern die Stelle als Leiter und Geſellſchafter des eigenſinnigen Blinden quittirt und die Vermittlung des Präſtdenten zu einer Anſtellung als Lehrer an irgend einem bedeutenden Gymnaſtum in Anſpruch genommen hätte. Wilhelm aber hatte kein Ohr für dieſe Ermuthigungen.„Ich will und mag nichts übereilen,“ ſagte er,„welcher vernünftige Menſch reißt die Trauben unreif vom Stock? Was zur rechten Zeit das ſüßeſte, erquickendſte der Welt, iſt vor ſeiner Reife herbe und ſauer. Noch iſt Louiſe eine feſt verſchloſſene Knospe, die herbe Traube, die ſich unter den Blättern verſteckt. Jede auch die kleinſte körperliche Annäherung verſchüchtert ſie; wie leiſe, wie fein ich auch verſuche auf ihre Sinne zu wirken, die geringſte Berührung läßt ſie wie die Sinnpflanze in ſich zu⸗ ſammen ſinken. Ich warte auf meine Zeit und ſie wird kommen!“

„Und iſt es Ihnen denn niemals in den Sinn gekommen, Herr von Itzſtein,“ ſagte hämiſch der Magiſter,„daß dieſe Traube für Sie immer eine ſaure und unreife, dieſe Knospe in alle Ewigkeit für Sie geſchloſſen bleiben könnte?“

Das Geſicht des Blinden verfinſterte ſich.„Pah!“