Teil eines Werkes 
1. Bd. (1856)
Entstehung
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das Urtheil eines Blinden und für mich iſt das auch jedenfalls gleichgiltig. Ihre Haut iſt weich wie Sammt, ihre Stimme ſüß und mild, ihre Bewegun⸗ gen ruhig und angenehm, mögen nun auch ihre Züge von den Pocken entſtellt ſein, ſo häßlich iſt ſie jedenfalls nicht, daß die Sehenden die Achſel zucken würden über die Wahl des Blinden.“

„Sie iſt ganz und gar nicht häßlich, dieſe ju⸗ gendliche Elfe,“ entgegnete der Präſtdent,„ſie iſt we⸗ niger ſchön, als lieblich und anmuthig, und das iſt für jeden Mann, nicht bloß für einen, der die For⸗ men nicht ſieht, wünſchenswerth und angenehm. Kurz, dieß junge Mädchen iſt eines der anziehendſten Geſchöpfe, das ich geſehen.“

„Sie ſchmeicheln mir, Papa,“ ſagte Wilhelm ſichtlich erfreut.„Doch kommen Sie, wir wollen ins Wohnzimmer, damit Sie den Herrn des Hau⸗ ſes ſprechen können.“—

Am Abende dieſes Sonntages ſaß der Bank⸗ director auf ſeinem Zimmer mit dem Kammerpräſi⸗ denten und dem Major von Schill im ernſten Geſpräch.

„Sie will es!“ ſagte Herr Wohlgemuth,„ſie will es, die erhabene, engelhafte Frau, dagegen ſchwinden alle Einwürfe; treffe mich denn jetzt oder