286
liebe Tante Sophie, wenn Sie mir das erlaubten. Ich habe niemanden, mit dem ich über den lieben Fritz und das, was wir uns in den Stunden der Todesangſt verſprochen haben, reden könnte, und manchmal drückt mich der Gedanke daran wie eine ſchwere Laſt.“
„Lies Deines Freundes Brief vor und ſei gewiß, daß ich Dir den beſten Rath geben werde, daß ich für Dich, mein Kind, das Herz einer Mutter habe.“
Louiſe begann:
„Meine theure vielgeliebte meine ſchöne und gute Louiſe!
Du weißt es, davon bin ich überzeugt, daß meine Gedanken immerfort bei Dir ſind, wenn ich auch nur ſelten die Gelegenheit habe Dir zu ſchrei⸗ ben. Meine Mutter, die Dich grüßt und ſegnet, weiß das auch. Sie ſagte zu mir, die Theure, als ich ihr von Dir erzählte: Fritz, mein Junge, es iſt etwas Großes, was Du auf Deine jugendlichen Schultern gelegt, das ganze Glück und die ganze Zukunft eines ſchuldloſen Mädchens. Du mußt jetzt dreifach an Dir arbeiten, mußt ein Mann werden im vollen Sinne des Wortes, denn nur den echten Mann kann ein edles Weib lieben, und ihm kann ſie ohne Zagen ihr Herz und Leben anvertrauen.


