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Madame Treufeldt legte ſegnend ihre Hand auf des Sohnes Stirn. Es war ihr einziger Sohn, und wohl mochte ihr Mutterherz Schmerz empfinden bei dem Leid, was derſelbe trug. Nie aber hatte dieſer Schmerz etwas Bitteres, nie hörte man ein Wort der Klage, der Unzufriedenheit aus dem Munde eines dieſer Beiden. Es war, als ob eine Atmo⸗ ſphäre von Glück und Frieden um das ſtille kleine Haus und den heitern Weinberg läge, ein Zauber, der mit allmächtiger Hand jedem Leid, das in ſeinen Be⸗ reich kam, den ſchmerzenden Stachel abbräche, und kein Ton ward hier ſo oft gehört, als der, herz lichen harmloſen Lachens; denn Herr Heinrich hatte einen allerliebſten Humor, und verſtand die einfachſten Dinge mit unwiderſtehlicher Komik vorzutragen.
Im Spätherbſt, nach der Weinleſe, wollte er wieder nach Dresden, wo er faſt jeden Winter im Kreiſe ſehr bedeutender Männer verlebte. Erſt ſpät erfuhr ich, daß Herr Heinrich Treufeldt einer unſerer beliebteſten lyriſchen Dichter ſei, deſſen Poeſieen ich lange lange kannte und liebte, und die ihm hohen Ruhm für alle Zeiten geſichert hatten, obgleich derſelbe ſich nicht an ſeinen Familien⸗, ſondern an ſeinen Dichter⸗ namen knüpfte.
Auch ſeine beiden Schweſtern, die Obriſtin


