Meine Seele gleicht der kleinen Lerche. Sie ſchwingt ſich ſingend gern nach oben. Die Wolken ziehen nur in einer beſtimmten Region, dann ſieht man die Blitze zu ſeinen Füßen und über ſich eben ſo ewig klar, als ewig unerreichbar, den ewigen Himmel, deſſen kleinſter Stern unſere unermeßliche Erde iſt. Was macht es der Lerche denn aus, daß ihr kleines Neſt im kleinſten Felde tief verſteckt liegt? Singend kann ſie die Region der ewigen Klarheit erreichen und die ganze Erde tief unter ihren Schwingen ſehen.
Aber wie leicht und ſicher der Fluͤgel des Geſanges die Seele auch emporträgt, wie frei ſie ſich auch fühlt, wenn ſie aufwärts, aufwärts zieht, dem ewigen Lichte entgegen! doch liebt ſie, ach wie ſehr, das kleine im Grünen verſteckte Neſtchen, die beſchränkte aber hei⸗ tere Heimath und jedes Plätzchen, das ihr einſt eine Heimath war, bleibt ihr auch in der Erinnerung noch theuer.
Es ſind nun ſchon Jahre verfloſſen, ſeit ich ein freundliches Weinbergshaus auf einem der höchſten freieſten Oderberge mit meiner Familie bewohnte.
Es war nicht mein Eigenthum! auch darin gleiche ich den Sängern der Lüfte, daß ich mein heimath⸗ liches Neſtchen bald hier bald dort bauen muß, wo


