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Sieb, Du biſt ein glücklicher Mann, wenn Du Dei⸗ nen Verſtand und Dein gutes Herz ruhig walten läßt und ein ſehr unglucklicher, wenn Du Rath ſuchſt bei Deiner Heftigkeit und Deinem allzuſchnell verletzbaren Ehrgefühle. Nagte Dir nicht ſeit Deiner Schweſter Tod der Schmerz immerfort am Herzen, Du würdeſt viele Dinge mit andern Augen betrachten und ruhig über Manches wegſehen, was Dich jetzt kränkt und aufbringt.“
„Sprich mir nicht von dem Wurm, der ewig in meinem Innern nagt, Gertrud, entgegnete Letzkau, „meine Schweſter, meine arme unglückſelige Schweſter! die ohne Beichte an ihren Sünden ſtarb, die ich, mit meiner Hitze und Unverſöhnlichkeit in den Tod jagte, o Gertrud, Gertrud! ein Fluch liegt auf meiner Seele, gegen den keines Prieſters Segen, keine Beichte und Abſolution etwas fruchtet.“
Deine Heftigkeit oder Dein allzu empfindliches Ehrgefühl ſind der Fluch, der ſchon manches Unglüc angerichtet, mein lieber Eheherr, und je älter Du wirſt, je ruhiger Dein Blut, je demüthiger Dein Herz wird, deſto mehr wird Deine Thätigkeit in Deinem ſchönen Amte, Deine Treue gegen unſern Landesherrn, Deine Aufmerkſamkeit auf das Wohl unſerer 2 Nitbürger ſe⸗ gen⸗ und nutzbringend ſein. Iſt nicht Dein Wandel in


