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Seht, wir ſtehen unter demſelben Baum! ſeht, da iſt das Datum, das ich in die Rinde einſchnitt, als Ihr abgereist waret, aber die Hoffnung zurückgelaſſen hattet. Ach, Caroline, warum kann ich mich jetzt nicht in das Alter ergeben? Warum rauſcht, während ich ſpreche, die Jugend in mein Herz, in meine Seele zurück? Warum kann ich nicht ſagen: Ich nehme Eure zärtliche Freundſchaft dankbar an; laßt das Vergangene vergeſſen ſeyn; ſeyd mir für den Reſt meiner Zukunft auf Erden wie ein Kind. Ich kann nicht— ich kann nicht— geht!“
Sie trat ſanft und ſchüchtern näher zu ihm.„Auch Das, Dar⸗ rell— auch Das; irgend Etwas in Eurem Leben— laßt mich noch immer Etwas ſeyn.“
„Ja,“ ſagte er mit ſchwermüthiger Bitterkeit,„Ihr täuſchet mich jetzt nicht mehr. Ihr geſtehet, daß, als wir das letzte Mal hier ſtan⸗ den und einander Treue gelobten, Ihr in der Blüthe und ich in der erſten Reife des Lebens— Ihr geſtehet, daß es damals keine Weibes⸗ liebe, taub gegen alle Verleumdung, unzugänglich für alle Kunſtgriffe, die dem Abweſenden ſchaden konnten, daß es keine Weibesliebe, warm wie das Herz, unſterblich wie die Seele war, was Ihr mir da ver⸗ pfändetet?“
„Darrell, dieß war es nicht— obſchon ich es damals dachte.“
„Ja, ja,“ fuhr er mit einem Lächeln fort, wie wenn er in ſeinen eigenen Qualen ſchwelgte,„ſo wird dieſe Wahrheit endlich einge⸗ ſtanden! Und als Ihr, wieder frei, mir den Brief ſchriebet, den ich Euch zerriſſen zurückſchickte— oder als Ihr, meine rohe Beleidigung und meine grimmigen Vorwürfe verzeihend, vor etlichen Worten dort in dieſen einſamen Schatten ſo ſanft mit mir ſprachet, was waren damals Eure Gefühle, Eure Beweggründe? War es nicht ein lang unterdrückter freundlicher Gewiſſensbiß?— Eine Menſchenliebe, ähnlich derjenigen, welche den Reichen an den Armen bindet, das Glück veranlaßt, ſich zu dem Leiden herabzuneigen— einige Erinne⸗
rungen der Dankbarkeit— ja vielleicht kindlicher Zuneigung?— Alles liebenswürdig, Alles großmüthig, Alles in dieſe Holdſeligkeit


