Teil eines Werkes 
6. - 9. Th. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

141

Vances Anweſenheit und ungeduldiges Verlangen ſeine Nichte zu umarmen geſtattete dem Oberſt keine Gelegenheit zu Beweisführungen und Unterhandlungen. Aufgebracht über dieſe neue Erfahrung von der launiſchen Unbeſtändigkeit des Weibes, war er mit Vance nach dem Herrenhaus gegangen. Allein gelaſſen, konnte Caroline die Stille und Unthätigkeit nicht ertragen, die den Tumult ihrer Gedanken noch vergrößerte; ſie wollte wenigſtens noch einen Blick es mochte ja der letzte ſeyn auf die Landſchaften werfen, wo ihre Kindheit geſpielt, wo ihre Jugend die erſten glücklichen Träume geträumt hatte. Nur einen kurzen Gang durch dieſes begrenzte Gut, durch dieſe ſchattigen kleinen Haine, und ſie wollte ſich unbemerkt in die Nähe des Hauſes um den geliebten See hin ſchleichen, vielleicht auch noch ein einziges Mal einen flüchtigen Blick auf den Eigenthümer erhaſchen. Sie be⸗ ſchloß, ſie glitt dahin; ſie erreichte den Buchenhain, als bei der raſchen Biegung des Ufers Darrell und Alban plötzlich auf denſelben Platz kamen. Das Flattern ihres Kleides, als ſie umkehrte, um ſich zurück⸗ zuziehen, fiel Alban ins Auge. Der Leſer begreift, mit welchem ſchlauen Plan, der im Nu entworfen wurde, dieſer gewiſſenloſe Ränke⸗ ſchmied die Worte einrichtete, die ihren Fußtritt feſſelten und ſie dann zur Selbſtentdeckung anreizten. Zitternd und erröthend ſtand ſie jetzt vor dem verblüfften Manne, der für den Augenblick keine andere Em⸗ pfindung hatte, als das Gefühl unſäglicher namenloſer Wonne ſich wieder einmal in ihrer Nähe zu befinden, während Caroline nach ihrem erſten leidenſchaftlichen Ausbruch ſich beeilte in verworrenen abge⸗ brochenen Worten zu erklären, daß ſie blos durch Zufall hier ſey; ihre Verwirrung wurde aber immer größer, denn wie ſollte ſie den Grund erklären, der ihre Tritte an dieſen Platz gezaubert hatte?

Plötzlich kam vom entgegengeſetzten Ufer die Muſik der Zauber⸗ flöte, und eben ſo plötzlich ſtockte Carolinens Stimme und verſagte ihr.

Wieder wieder, ſagte Darrell träumeriſch.Dieſelbe Muſik! dieſelbe Melodie! und dieß derſelbe Platz, wo wir Beide bei⸗ ſammen ſtanden, als ich zum erſten Mal die Worte wagte: Ich liebe!