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„Aber er lebt? iſt wohl? iſt hier? iſt—“ Sophy brach in Thränen aus, und Lady Montfort gab Lionel ein Zeichen in den Garten zu gehen und ſie allein zu laſſen. Widerſtrebend und ſchwin⸗ delnd, wie ein Träumender gehorchte er und überließ die Enkelin des Vagabunden den beſchwichtigenden, liebreichen Armen der Lady, die er vor ein paar Stunden blos nach den Titeln ihres Ranges und dem Ruf ihres Stolzes gekannt hatte.
Nach einigen Minuten kam Lady Montfort wieder zu ihnen.
„Ihr habt,“ ſagte ſie,„unbewußt die ängſtlichſte Urſache der Bekümmerniſſe des armen Kindes berührt. Ihr Großvater, dem ſie eine ſo innige und leidenſchaftliche Liebe widmet, iſt verſchwunden. Ich werde ſpäter davon ſprechen, und wenn Ihr es wünſchet, werdet Ihr zu unſern Berathungen zugezogen werden. Aber—“ ſie pauſirte, ſchaute ihm in ſein Geſicht— ein offenes, biederes Geſicht, ein Gentlemansgeſicht mit dem Herzen des Mannes in ſeinen Augen, der Seele des Mannes auf ſeinen Brauen;— ein Geſicht, geſchaffen um zu den Sternen emporzuſchauen, die es jetzt beſchienen; dann legte ſie ihre Hand leicht auf ſeine Schulter und fuhr mit zögernder Stimme fort:„Aber es iſt mir wie einer Verbrecherin zu Muth, indem ich Euch um Etwas bitte, um was ich Euch nichtsdeſtoweniger als uner⸗ läßliche Bedingung bitten muß, wenn Ihr Eure Beſuche hier zu er⸗ neuern und auf einen vertrauten Fuß mit uns zu kommen wünſchet. Und wenn Ihr auf dieſe Bedingung nicht eingehet, ſo kommet nicht mehr; wir können kein Vertrauen zu einander faſſen.“
„Oh, Lady Montfort legt jede Bedingung auf. Ich verſpreche zum Voraus.“
„Nicht zum Voraus. Die Bedingung lautet: unverbrüchliche Verſchwiegenheit. Ihr werdet von Euern Beſuchen dahier, von Eurer Einführung bei mir, von Eurer Entdeckung, daß meine Adoptiv⸗ tochter die Enkelin des Comödianten iſt, Niemand ein Wort ſagen.“ „Auch Mr. Darrell nicht?“
„Ihm am allerwenigſten; aber ich füge noch hinzu, daß ich um


