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Fünfundzwanzigſtes Kapitel.
„Quem Fors dierum cunque dabit Lucro appone.“ Horaz.
Lionel ſtand erwartungsvoll mitten im Zimmer, und als die beiden Frauengeſtalten eintraten, ergoß ſich der Kerzenſchein voll über ihre Geſichter. Dieſes jüngere Geſicht— das iſt ſie— ſie, die Un⸗ vergeſſene— die Langverlorene. Inſtinktmäßig, als wären keine Jahre zwiſchen ihnen dahingerollt— als wäre ſie noch das kleine Kind, er der Knabe, der ſich eine ſolche Schweſter gewünſcht hatte— ſprang er vor und öffnete ſeine Arme, hielt aber eben ſo plötzlich ein und ließ erröthend, verwirrt, beſchämt die Arme hinabſinken.„Sie, dieſes Vagabundenkind! Sie! dieſe ſo elegante Geſtalt— dieſe Mündel einer vornehmen Peerin— ihre Adoptivtochter, ſie! die arme herumziehende Sophy! ſie!— unmöglich!“
Aber ihre Augen, Anfangs zu Boden geſchlagen, ſind jetzt auf ihn geheftet. Auch ſie fährt zuſammen— aber ſie bewegt ſich nicht vorwärts, ſondern weicht zurück; auch ſie erhebt ihre Arme, aber nicht ſie zu öffnen, ſondern ſie feſt auf ihre Bruſt zu drücken; auch ſie be⸗ meiſtert einen innern Drang und ſteht gleich ihm erröthend, verwirrt, beſchämt da.
„Ja,“ ſagte Caroline Montfort, indem ſie Sophy näher an ihre Bruſt zog,„ja, Ihr werdet mir Beide die Ueberraſchung verzeihen. Ja, Ihr ſehet vor Euch, herangewachſen zum Stolz derjenigen, die ſie lieben, dieſe Sophy, die—“
„Sophy!“ rief Lionel vortretend,„es iſt alſo doch ſo! Ich wußte, daß Ihr nicht die Enkelin eines Dorfcomödianten waret.“
Sophy richtete ſich auf.—„Nein, ich bin, ich bin ſeine Enkelin, und bin noch eben ſo ſtolz darauf wie ich es damals war.“
„Verzeiht mir, verzeiht mir. Ich wollte ſagen, daß auch er nicht dasjenige ſey was er geſchienen habe. Ihr verzeiht mir?“ Er ſtreckte ſeine Hand aus, und Sophys ſanfte Hand fiel verzeihend in die ſeinige.
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