Teil eines Werkes 
6. - 9. Th. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

kleiden? Thue das und bring es ſo, mit der reichſten Grazie bekleidet, vor das Auge Deines Geiſtes. Nun, ſiehſt Du jetzt die Entſchuldigung, welche die Poeten haben, wenn ſie der Schönheit dieſen Rang ein⸗ räumen? Siehſt Du jetzt, wie hoch über dem Reich der Sinne das geheimnißvolle Urbild ſchwebt? Konnteſt Du ohne die Idee der Schönheit Dir eine Form denken, in welche eine Seele einzukleiden wäre, die in den Himmel eingegangen iſt?

Vierundzwanzigſtes Kapitel. Angenehme Ueberraſchungen ſind die Accidenzien der Jugend.

Wenn Lady Montforts ſchönes Geſicht Lionel überraſchte, ſo wunderte er ſich noch mehr über die gewinnende Güte ihres Benehmens eine Freundlichkeit in Blick, Manier und Stimme, die ihn nicht als einen zufälligen Bekannten, ſondern als einen neugefundenen Ver⸗ wandten zu bewillkommnen ſchien. Schon die erſten paar Sätze führten, indem ſie ihnen einen Gegenſtand von gemeinſchaftlichem Intereſſe gaben, eine Art vertrauensvoller Familiarität in ihre Unter⸗ haltung ein. Denn Lionel, der Lady Montforts huldvollen Empfang ihren Jugenderinnerungen an ſeinen Vetter zuſchrieb, begann ſogleich von Guy Darrell zu ſprechen; und bald gingen ſie mit einander über den Raſen oder durch die gewundenen Gänge des Gartens, das Ge⸗ ſpräch fortwährend an demſelben Thema feſthaltend, ſie durch Fragen, er durch Antworten er hocherfreut ſich ausbreiten zu können, ſie mit dem größten Vergnügen zuhörend Beide einander immer mehr gefallend, da ſie in Allem was er ſagte ein glänzendes junges Herz, überſtrömend von dankbarer und ſtolzer Liebe, erkannte, und er inſtinkt⸗ mäßig fühlte, daß er ſich bei einer Perſon befand, die mit ſeiner Be⸗ geiſterung ſympathiſirte, einer Perſon, die den großen Mann in ſeinen geſchäftigen Tagen, mitten im Ungeſtüm ſeiner Laufbahn gekannt,