Teil eines Werkes 
6. - 9. Th. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1⁵

Bis jetzt nicht, aber ich werde in einigen Tagen meine Nach⸗ forſchungen erneuern. Und nun will ich Haughton herbeiholen.

Thut das, und, George, wenn Ihr mir ihn vorgeſtellt habt, wollt Ihr dann ſo freundlich ſeyn zu dem theuern, bangen Kinde dort zu gehen? Sie iſt in der neuen Laube oder in der Nähe derſelben dieß iſt ihr Lieblingsplätzchen. Ihr müßt ihren Muth aufrecht er⸗ halten und ihr Hoffnung beibringen. Ihr könnt Euch gar nicht denken, wie begierig ſie Euern Beſuchen entgegenſieht und wie dankbar ſie ſich auf Eure Bemühungen verläßt.

George ſchüttelte halb verzagend den Kopf, bemerkte kurz: Meine Bemühungen haben bis jetzt noch keinen Anſpruch auf ihre Dankbarkeit begründet, und ging ſchnell zu Lionel zurück.

Dreiundzwanzigſtes Kapitel. Etwas über einen alten Gegenſtand, was noch nie geſagt worden iſt.

Obſchon Lionel darauf vorbereitet war in Lady Montfort eine ſehr hübſche Frau zu erblicken, ſo wurde er doch durch die Schönheit ihres Geſichtes überraſcht. Keine Vorbereitung durch lobpreiſende Beſchreibungen kann die Wirkung ſchwächen, welche der erſte Anblick eines ſchönen Gegenſtandes auf einen Geiſt hervorbringt, dem feine und hohe Bildung einen richtigen und ſchnellen Begriff von der Schönheit gibt. Sey es ein Kunſtwerk, eine Naturſcene oder, das ſeltenſte von Allem, ein gottbeſeeltes Menſchengeſicht, eine nie zuvor geſehene Schönheit erfüllt uns mit geheimem Vergnügen wie ein Ausbruch von Licht, und dieſes Vergnügen iſt von erhebender Art. Die Einbildungskraft fühlt ſich um eine neue Idee von Vortrefflichkeit bereichert, denn nicht blos iſt wirkliche Schönheit vollkommen originell, da ſie kein Urbild hat, ſondern auch ihr unmittelbarer Einfluß iſt geiſtig. Es mag ſeltſam ſcheinen ich appellire an jeden beobach⸗ tenden Künſtler, ob die Behauptung nicht wahr iſt aber der erſte