Teil eines Werkes 
6. - 9. Th. (1859)
Entstehung
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Art gehört, die nicht beſtimmt iſt dauernd und univerſell zu ſeyn, ſondern die den Wechſeln und Veränderungen des menſchlichen Ge⸗ fühles folgt, und juſt jenen hübſchen Sonnenuhren aus Blumen gleicht, welche blühen um die Stunde anzuzeigen, zu dieſem Behuf ihre Knoſpen öffnen und während des Anzeigens für immer dahin⸗ welken.

Ohne auf die Kritik zu hören, fuhr Lionel fort die Gedichte zu leſen, und rief ein Mal ums andere:Wie herrlich! wie wahr!

Einundzwanzigſtes Kapitel. Im Leben, wie in der Kunſt, bewegt ſich das Schöne in krummen Linien.

Sie haben dinirt. George Morley ergreift die Ruder, und das Boot durchſchneidet den Tanz der von dem goldenen Sonnenuntergang gerötheten Wogen. Schöner Fluß! der dem engliſchen Mährchen⸗ erzähler Legenden liefern könnte, wild wie diejenigen die man an den Ufern geſammelt, welche der Hydaſpes beleckt, und hold gleich denen die der Cephiſſus jemals mit den Geſängen der Nachtigallen und dem Odem der Veilchen vermengt hat! Aber welcher wahre engliſche Poet nennt jemals dich, oh Vater Thames, ohne einen melodiſchen Tribut? Und welches Kind hat je einen Sommernachmittag an deinen graſigen Ufern vertändelt, ohne deine Erinnerung unter den feenhaften Tagen des Lebens heilig zu halten?

Schweigend beugte ſich Lionel über das gleitende Boot hin, und ſein Geiſt wurde zu demſelben ſanften Strom vor fünf Jahren zurück⸗ geführt. Welch einen unermeßlichen Spielraum in ſeinem kurzen Daſein ſchienen dieſe fünf Jahre auszufüllen! Und wie fern, wie unendlich fern von dem jungen Mann, dem Reichthümer zu Gebot ſtanden, und der mit allen Waffen der Auszeichnung ausgerüſtet war, ſchien die Stunde zu liegen, wo der Knabe laut geſeufzt hatte:Das