7
quälen. Er hatte einen Packeſel, der nicht ſchwimmen konnte und die größte Angſt vor dem Waſſer hatte; und während er dieſes Kind in den Fluß hineintrieb, ſo daß das Waſſer über den armen Jungen hinausging, bekam er ſelbſt einen Krampf und ertrank. Ja, wenn ich daran denke, was dieſer Junge als Mann geworden wäre, wenn er Darrells Reichthum und, im Fall Darrell(was er vielleicht gethan hätte, wenn der Junge am Leben geblieben wäre) bei ſeiner ſtaats⸗ männiſchen Laufbahn verharrte, den Rang und die Titel geerbt hätte, die ihm wahrſcheinlich zugefallen wären, dann ſage ich noch einmal, in der Betrübniß des Menſchen offenbart ſich oft die Barmherzigkeit des Himmels.“ 1
Lionel lauſchte angſtvoll. George fuhr fort:„Ich wollte, ich könnte mit Mr. Darrell ſelbſt ſo offen ſprechen, denn wir finden be⸗ ſtändig in der Welt, daß kein Irrthum uns ſo ſehr mißleitet, wie der⸗ jenige, der eine halbe, von der andern Hälfte weggeriſſene Wahrheit iſt, und nirgends iſt ein ſolcher Irrthum ſo gewöhnlich, als wenn man ein Ereigniß aus ſeinem eigenen Leben beurtheilt, wobei er dem Un⸗ glück allen Troſt abſchneidet.“
Lionel.—„Wohl wahr; aber wer könnte das Herz haben einem trauernden Vater zu ſagen, daß ſein verſtorbener Sohn ein Taugenichts geweſen ſey?“
George.—„Ach, mein junger Freund, der Prediger muß zu⸗ weilen ſein eigenes Herz verhärten, wenn er die Seele eines Andern ſtark treffen will. Aber ich bin nicht überzeugt, daß Mr. Darrell eines ſo grauſamen Freundſchaftsdienſtes bedürfen würde. Ich glaube, daß ſein klarer Verſtand einige Theile von der Natur ſeines Sohnes geahnt haben muß, was ihn in den Stand ſetzte den Verluſt mannhaft zu ertragen. Und er ertrug ihn mit wackerem Muthe. Aber jetzt, Mr. Haughton, wenn Ihr den Reſt des Tages frei habt, ſo möchte ich Euch ohne alle Umſtände einen Vorſchlag machen. Eine Lady, die in ihrer zarten Jugend Mr. Darrell kannte, wünſcht ſehr Eure Bekannt⸗ ſchaft zu machen. Sie wohnt an den Ufern der Themſe, ein wenig


