keiten gewidmet hatte? Der Oberſt ermangelte nicht zu bemerken, daß Darrells Brief auf dieſe jungen Ladies nicht einmal anſpielte. War es nicht möglich, daß er wirklich für Eine von ihnen ein tieferes Gefühl empfunden hatte, als ein in Jahren ſchon ſo vorgerückter Mann ſelbſt ſeinem beſten Freunde gern geſteht— daß er einen Antrag ge⸗ wagt und eine ablehnende Antlhort erhalten hatte? In dieſem Fall machte ſich Alban Gedanken über die Verbrecherin, welche das Gefühl eingeflößt und den Korb ausgetheilt haben mochte.„Dieſe boshafte Katze, Flora Vyvyan,“ brummte der Oberſt.„Es war mir doch immer, als hätte ſie die Klauen einer Tigerin unter ihrem Sammt⸗ pfötchen.“ Aufgeregt durch dieſe Vermuthung, machte er ſich ſogleich auf den Weg zu Vyvyan. Mr. Vyvyan, ein Wittwer, einer der ſtillen Biedermänner, die viel im Salon ſitzen und gerne Morgenbeſuche an⸗ nehmen, war für ihn zu Hauſe.„Darrell hat alſo für die Saiſon die Stadt verlaſſen,“ ſagte der Oberſt, indem er gerade auf ſein Ziel
losging.
„Ja,“ antwortete Mr. Vyvyan,„ich habe heute ein Briefchen von ihm erhalten, worin er meldet, er habe aller Hoffnung ent⸗ ſagt—“
„Auf was?“ rief der Oberſt.
„In der Schweiz mit uns zuſammenzutreffen; es thut mir un⸗ endlich leid. Flora iſt noch betrübter darüber. Sie iſt gewöhnt ihren eigenen Weg zu gehen, und ſie hat ihr Herz daran geſetzt, daß Darrell ihr im Angeſicht der Jungfrau den Manfred vorleſen würde.“
„Hum,“ ſagte der Oberſt,„was für ſie ein Vergnügen ſeyn mochte, könnte für ihn der Tod ſeyn. Ein Mann von ſeinen Jahren iſt nicht zu alt, um ſich in eine junge Lady von den ihrigen zu ver⸗ lieben. Aber er iſt zu alt, um einer ſolchen jungen Lady nicht äußerſt lächerlich zu erſcheinen, wenn er es thut.“
„Pfui, Oberſt Morley!“ rief eine zornige Stimme hinter ihm. Flora war unbemerkt in das Zimmer getreten. Ihr Geſicht war ſehr


