94 ihr ins Ohr:„Bringt mich nicht zum Wahnſinn, ſag ich Euch!— Ihr werdet ſpielen, he?“
„Nein,“ ſagte Sophy, indem ſie ſich plötzlich erhob; und den Kranz aus ihrem Haar reißend, ſetzte ſie ihren kleinen Fuß kräftig darauf.„Nein! und wenn Ihr mich umbringt!“
„Göͤtter!“ ſtammelte Rugge.„Und die Summe, die ich bezahlt habe. Ich bin betrogen. Wer iſt fortgegangen, um Mrs. Crane zu holen?“
„Tom,“ ſagte der Clown.
Kaum war das Wort aus Clowns Munde gekommen, als Mrs. Crane ſelbſt aus einer Seitencouliſſe trat, ihren Hut abnahm, beide Hände auf die Schultern der Kleinen legte und ihr, ohne zu ſprechen, ins Geſicht ſchaute. Das Kind erwiederte den Blick eben ſo feſt. Gebt dieſem Kind eine Märtyrersſache, und in dieſem ſchwächlichen Körper würde ſich eine Märtyrersſeele gefunden haben. Arabella Crane, die in Bezug auf Kinder nicht ohne Erfahrung war, erkannte eine Macht des Willens, ſtärker als die Macht brutaler Gewalt, in dieſer Feſtigkeit des Auges, in dem Funkeln ruhigen Lichtes in ſeinem zarten Blau, einem Blau ſo rein wie der Himmel, einem Licht ſo feſt wie die Sterne.
„Ueberlaßt ſie mir, liebe Leute,“ ſagte Mrs. Crane.„Ich will ſie in Euer Privatzimmer führen, Mr. Rugge;“ und ſie führte das Kind in eine Art von Gelaß, Zimmer konnte man es mit Recht nicht nennen, denn es war ringsum mit Schachteln und geflochtenen Körben eingezäunt und enthielt ſonſt nur noch den Schreibpult des Direktors ſowie zwei Stühle.
„Sophy,“ ſagte jetzt Mrs. Crane,„Ihr ſagt, daß Ihr nicht ſpielen werdet, wenn Euer Großvater nicht bei Euch ſey. Hört mich jetzt an. Ihr wißt, daß ich immer ſtreng und hart gegen Euch geweſen bin. Ich habe nie behauptet, daß ich Euch liebe— und ich liebe Euch auch nicht. Aber Ihr habt mich nicht unwahr gefunden. Wenn ich Etwas im Ernſt ſage, wie ich jetzt ſpreche, ſo dürft Ihr mir glauben.


