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„Was glauben?“ fragte Waife erſchrocken. „Daß Ihr ein—“. Der Schuhflicker pauſirte, beugte ſich vorwärts und flüſterte den Reſt des Satzes dem Vagabunden ins Ohr. Waife ließ ſeinen Kopf auf ſeine Bruſt fallen, gab aber keine Antwort. 6
„Sprecht,“ rief Merle;„ſagt, es ſey eine Lüge“. Des armen Krüppels Lippe verzog ſich, aber er ſprach beharrlich nicht.
Merle ſah dieſes hartnäckige Stillſchweigen mit Schrecken. End⸗ lich, aber ſehr langſam, als die Glocke zum Einſteigen aufforderte, fand Waife ſeine Stimme wieder.„Alſo auch Ihr, auch Ihr ver⸗ 4 laſſet und verachtet mich! Gottes Wille geſchehe!“ Er hinkte muth⸗ los hinweg und verbarg ſein Geſicht ſo gut er konnte. Ein Bahn⸗ 4 wärter nahm ihm den Hund weg, um ihn in einen der Ställe zu werfen, die für ſolche vierfüßige Paſſagiere beſtimmt ſind.
Waife, der ſomit von ſeinem letzten Freund— ich meine den Hund— getrennt war, ſchaute Sir Iſaak gedankenſchwer nach und kroch in einen Wagen dritter Claſſe, wo glücklicher Weiſe Niemand ſonſt ſaß. Plötzlich ſprang Merle herein, ergriff ſeine Hand und drückte ſie feſt.„Ich verachte Euch nicht, ich kehre Euch nicht den Rücken. Wenn Ihr und die Kleine je einer Heimath und eines Freundes bedürfet, ſo kommt zu Kit Merle wie zuvor, und ich will mir lieber die Zunge abbeißen, als daß ich Euch wieder ausfrage; ich werde ſtatt deſſen die Sterne befragen.“
Der Schuhflicker hatte juſt Zeit dieſe tröſtenden Worte heraus⸗ zuhaſpeln und wieder aus dem Wagen zu ſteigen, als der Zug ſich in Bewegung ſetzte und das lebensvolle eiſerne Wunder, rauchend, ziſchend und kreiſchend, ſeine buntgemiſchte Zufuhr von menſchlichen Weſen nach London trug, jedes Paſſagierherz ein Geheimniß vor dem andern, Alle auf demſelben Weg begriffen, Alle in demſelben wirbeln⸗ den Mechanismus feſt eingekeilt: welch eine beſondere und verſchie⸗
dene Welt in Jedem! So iſt die Civiliſation! Wie gleichen wir 6*


