einander in der Maſſe! wie ſonderbar unähnlich ſind wir nicht in concreto!
Viertes Kapitel.
„Wenn, ſagt ein großer Denker(Degerando du perfectionnement moral IX. Kapitel. Ueber die Schwierigkeiten, auf die wir beim Selbſtſtudium ſtoßen), wenn man ſeine Betrachtung allzuſehr auf ſich ſelbſt concentrirt, ſo ſieht man zuletzt Nichts mehr oder blos das, was man wünſcht. Gerade durch den Akt ſich ſelbſt feſtzuhalten, entwiſcht und verſchwindet die Perſon, die wir ergriffen zu haben glauben. Auch iſt es nicht blos die Zuſammen⸗ geſetztheit unſeres innern Weſens, was unſerer Prüfung im Wege ſteht, ſondern ſeine übermäßige Veränderlichkeit. Der Blick des Forſchers ſollte alle Seiten des Gegenſtands umfaſſen und beharrlich alle ſeine Er⸗ ſcheinungsweiſen verfolgen. 1
Es iſt die Wettrennwoche in Humberſton, einer Bezirkshauptſtadt fern von Gatesboro' und im Norden Englands. Die Wettrennen währen drei Tage; der erſte Tag iſt vorüber; es iſt ein glänzendes Schauſpiel geweſen; der Rennplatz gedrängt voll von den Equipagen der Provinzmagnaten nebſt angeſehenen Wettern, die hoch zu Roß aus der Hauptſtadt kamen; Spieler in großer Auswahl; es waren Spiel⸗ buden auf dem Platz aufgeſchlagen und Zigeunerinnen ſagten wahr; viel Champagner wurde von den Vornehmen geſchlürft, viel Soda⸗ waſſer und Brandy von dem gemeinen Volk. Tauſende und zehn Tauſende ſind verloren und gewonnen worden; einige Arme haben ſich für den Augenblick bereichert; einige reiche Leute ſind für ihre Lebens⸗ zeit arm geworden. Pferde haben Ruf gewonnen, Einige von ihren Beſitzern haben die Achtung verloren. Getöſe und Aufruhr, plumpe Flüche und rohe Leidenſchaften— Alles hat ſeine Stunde gehabt. Die Liebhaber aus den höheren Claſſen haben ſich in prächtige Land⸗ häuſer zurückgezogen als höfliche Wirthe oder als begünſtigte Gäſte. Die handwerksmäßigen Spekulanten niederen Grades haben ſich wieder nach der Kreishauptſtadt ergoſſen, und Gaſthöfe und Kneipen


