21
Pfund!— Wenn er drei Pfund geben wollte!— Kommt doch in unſere Wohnung— Mr. Merle, Willow Lane. Drei Pfund— drei! Und bei dieſen Worten, die mir in's Ohr ziſchten und aus dieſem Feenmund kamen, aus welchem nur Perlen und Diamanten träufeln ſollten, verließ ich ſie,“ ſchloß Lionel mit der Ernſthaftigkeit eines Sechzigers,„und verlor eine Illuſion“.
„Drei Pfund!“ rief Vance, indem er ſeine Augenbrauen bis zum höchſten Bogen des Erſtaunens hinaufzog und ſeine Naſe in der Luft gegen den majeſtätiſchen Mond erhob,—„drei Pfund!— eine fabelhafte Summe! Wer hat drei Pfund wegzuwerfen? Herzoge mit hunderttauſend Pfund Renten von ihren liegenden Gütern ziehen nicht mit ſo verworfener Leichtfertigkeit drei Pfund aus der Taſche. Drei Pfund!— Was könnte ich nicht für drei Pfund kaufen! Ich könnte die dramatiſche Bibliothek in Kalbsleder gebunden für drei Pfund kaufen; ich könnte einen Sonntagsrock für drei Pfund kaufen (das ſeidene Futter nicht eingerechnet); ich koͤnnte für drei Pfund einen Monat wohnen! Und ein mit Flitterkram behangenes Dirnchen, das juſt in ihre Zehner tritt, verlangt da drei Pfund— für was? Dafür daß ſie auf der Leinwand des Francis Vance unſterblich wird? Ei, dummes Zeug!“
Hier fühlte Vance eine Berührung an ſeiner Schulter. Er wandte ſich ſchnell um, wie ein ärgerlicher Mann unter ſolchen Um⸗ ſtänden thut, und erblickte das ſchwarzbraune Geſicht des Schuh⸗ flickers.
„Nun Maſter, hat ſie nicht ſchön geſpielt?— wie hat ſie Euch gefallen?“
„In ihrem natürlichen Charakter nicht ſehr gut; ſie legt ja einen verdammt hohen Werth auf ſich ſelbſt.“
„Wie ſo? ich verſtehe Euch nicht.“
„Sie ſoll mich nicht drankriegen! Drei Pfund! Drei König⸗ reiche.“


