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in der Ferne ein verworrenes Geräuſch. Anfangs tönte es ihrem Ohr wie das Entſtehen des Bergwindes— leiſe, heiſer und tief; allmählig wurde es aber immer lauter und miſchte ſich mit andern Tönen, die ſie nur zu gut unterſchieden— das Toſen, das Wiehern, das Stampfen von Pferden, den überall hertönenden Wie⸗ derhall von dem Anmarſche Bewaffneter! Sie hörten es und wußten, daß der Feind ſich ihnen nähere!— im nächſten Augenblick ſchlug die Trommel zu den Waf⸗ fen.„Bei St. Pelagio,“ rief Riego, der bei dem erſten Laute der herannahenden Gefahr aus ſeinem leichten Schlummer aufgeſprungen war und noch nicht an die⸗ ſelbe glauben wollte,„es kann nicht ſein; die Franzo⸗ ſen ſind weit zurück;“ als aber dann die Trommel wir⸗ belte, änderte ſich ſeine Stimme plötzlich—„der Feind! der Feind! D'Aguilar, zu Pferd!“ und mit dieſen Wor⸗ ten ſtürzte er aus der Hütte. Die Soldaten, welche kaum ſich zu zerſtreuen angefangen, waren bald wie⸗ der geſammelt. Inzwiſchen ließ der franzöſiſche Befehls⸗ haber, d'Argout, den Vortheil der Ueberraſchung be⸗ nutzend, ſeine allein aus Reiterei beſtehenden Truppen unaufgehalten und unbeſchwert durch das Feuer der Poſten ſich entwickeln. Heran rückten ſie wie eine raſche, mit Donner geladene Wolke, welche neuen Grimm ſammelt, während ſie auf die Zuſchauer los⸗ zieht und ehe ſie gewitterſchwer ſich auf ſie entladet. Sie hielten nicht an, als bis ſie das äußerſte Ende des Dorfes erreichten; dort hatte die ſpaniſche Infan⸗ terie bereits zwei Vierecke gebildet.„Halt!“ rief der franzöſiſche Anführer, die Truppe hielt plötzlich mit


