Teil eines Werkes 
3. Bd. (1846)
Entstehung
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Der Mittag war ſtill und ſchwül. Die engen Stra⸗ ßen des kleinen Dorfes Lodar entlang wogte die ermü⸗ dete, aber noch nicht beſiegte Schaar, welche in dieſem Theile Spaniens die letzte Hoffnung und Kraft der Freiheit war. Die Geſichter der Soldaten waren ha⸗ ger und niedergeſchlagen; ſie zeigten ſogar noch we⸗ niger von der Munterkeit des Krieges, als ihre Rüſtung die Zeichen von deſſen Gepräge und Eigenthümlichkeit trug. Und doch waren ihre Kleider ſo beſchaffen, daß ſelbſt Bauern ſie verſchmäht haben würden; mit Blut und Staub bedeckt und in tauſend Lumpen zerriſſen, hatten ſie kein Merkmal der Ritterlichkeit, als ihre Aus⸗ dauer des Ungemachs; ſelbſt die zerriſſenen und ſchmu⸗ tzigen Fahnen hingen traurig an ihren Schäften herab, als ob ſelbſt die Winde Schooskinder des Glückes ge⸗ worden wäre und es verſchmähten, die Inſignien derer zu ſchwellen, welche daſſelbe verlaſſen hatte. Die ſtolze Schlachtmuſik ſchwieg. Der Schatten der Entmuthi⸗ gung über ein fehlgeſchlagenes Unternehmen lag auf der ganzen Schaar.Dem Himmel ſei Dank, ſagte der Anführer, der den letzten Zug ſchloß, als er am Ziele ſeiner nothdürftigen Erquickung und kurzen Ruhe ankam;dem Himmel ſei Dank, wir ſind wenigſtens außer dem Bereich der Verfolgung, und die Berge, dieſe letzte Zuflucht der Freiheit, ſtehen uns offen!Wahr, Don Rafael, verſetzte der jüngere der beiden Offiziere, welche an der Seite des Befehlshabers ritten,und wenn wir uns noch zu Mina Bahn brechen, ſo können wir noch die Fahne der Conſtitution in Madrid auf⸗ pflanzen.Ja, ſetzte der ältere Officier hinzu,und