Teil eines Werkes 
3. Bd. (1846)
Entstehung
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Bo⸗ Reſte. Erſt vor wenigen Jahren hatte ſie dieſe Hei⸗ pen. math ihrer jungen, unumwölkten Tage verlaſſen, unter der den Zurufungen und Segenswünſchen Aller, als Braut, auf. angethan mit den Ehrenzeichen bräutlichen Schmuckes lug in der erſten Blüte ihrer mädchenhaften Schönheit ſein in der erſten Unſchuld ihres noch nicht erwachten er⸗ Herzens, weinend, nicht über die Zukunft, welcher ſie

entgegenging, ſondern um die Vergangenheit, welche ſie en, verlaſſen ſollte, und lächelnd durch die Thränen, als niß ob die Unſchuld nichts zu ſchaffen hätte mit dem Jam⸗ ge⸗ mer. Auf derſelben Stelle, wo er damals ſein Lebe⸗ ild wohl zugewunken, ſtand der Vater jetzt. Auf dem rt Grasplatze, den damals ihre Zahl füllte, ſtanden die

Gruppen der Landleute, deren Bedürfniſſen ſie in den Tagen ihrer Jugend abgeholfen; neben demſelben Prie⸗

h⸗ ſter, der ihre Ehe eingeſegnet, kniete der Bräutigam,

der das Gelübde derſelben abgelegt. Kein Baum, kein er Grashalm war gewelkt. Der Tag ſelbſt war hell und 3 herrlich; ebenſo hatte er ihrem Vermählungsfeſte ge⸗ , lächelt. Und ſie ſie vier kurze Jahre, und all ihre Jugendunſchuld war verdunkelt, und ihre irdiſche . Schönheit zu Staub geworden! Ach! nicht ſowohl ſie 3 war zu beklagen, als der Trauernde, den ſie zurückließ! 9 Im Tode iſt auch die Liebe vergeſſen, im Leben aber

gibt es kein ſo jammervoll ſchmerzliches Gefühl, als dasjenige, daß Alles unverändert iſt, ausgenommen das eine Weſen, das die Seele von Allem war als das Bewußtſein, daß die Welt dieſelbe, und nur ihr Sonnenſchein entſchwunden iſt.