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Als Lady Emilie in jener ſchuldbelaſteten, verhäng⸗ nißvollen Nacht nach Hauſe kam, ſtahl ſie ſich ſchnell auf ihr Zimmer; ſie entließ ihre Zofe und warf ſich auf den Boden in jener dumpfen Verzweiflung, welche auf dieſer Erde keine Hoffnung mehr kennt. Hier lag ſie ohne die Kraft, zu weinen, und ohne den Muth, zu beten— wie lange, wußte ſie nicht. Wie die Periode vor der Schöpfung war ihre Seele ein Chaos von ſtrei⸗ tenden Elementen und wußte weder etwas von der Art zu denken, noch von der Eintheilung der Zeit.
Als ſie aufſtand, hörte ſie ein leiſes Pochen an der Thüre, und ihr Gemahl trat ein. Ihr Herz ahnte das Schlimmſte, und als ſie ihn ſvrgfältig die Thüre ſchließen ſah, ehe er ſich ihr näherte, war ihr, als ob ſie in die Erde verſinken könnte, ſowohl aus innerer Scham, als aus Furcht vor Entdeckung.
Herr Mandeville war ein ſchwacher, alltäglicher Charakter, gleichgültig in gewöhnlichen Angelegenhei⸗ ten, aber, wie die meiſten ſchwachen Geiſter, heftig und wüthend in der Aufregung.„Iſt dies, Madame, an Sie gerichtet?“ ſchrie er mit einer Donnerſtimme, indem er ihr einen Brief vorlegte(er war von Falk⸗ land);„und dies, und dies, Madame?“ fuhr er in noch lauterem Tone fort, während er einen nach dem andern aus ihrem Schreibtiſche hinſchleuderte, den er aufgebrochen.
Emilie ſank zurück und kämpfte Athem zu holen. Mandeville ſtand auf und faßte ſie wild lachend beim Arm. Er packte ihn mit all ſeiner Kraft. Sie ſtieß einen
ſchwachen Schrei des Entſetzens aus; er achtete nicht dar⸗


