Teil eines Werkes 
3. Bd. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

438

Meere an einen Felſen gekettet, um welchen her die ſchweren Waſſermaſſen wie eine Mauer ſich aufthürm⸗ ten. Er fühlte ſein Fleiſch verweſen und faulen und Stück um Stück von ſeinem Leibe fallen; er ſah die Korallenbänke, die nur in Jahrtauſenden ſich bilden, langſam aus ihrem ſchlammigen Bette aufſteigen und Theilchen an Theilchen ſich ausdehnen, bis ſie eine Wohnung für den Leviathan wurden; ihr Wachs⸗ thum erinnerte ihn allein an die Ewigkeit; und immer und immer, um ihn her und über ihm ka⸗ men ungeheuere mißgeſtaltete Weſen hervor die Un⸗ geheuer der geheimſten Tiefen; die Seeſchlange, die un⸗ geheuere Chimäre des Nordens, nahm ihren Ruheplatz neben ihm und glotzte ihn mit gelbem, tödtlichem Auge an, fahl und doch noch brennend, wie eine erſter⸗ bende Sonne. Aber überall, bei jedem Wechſel, in jedem Augenblicke dieſer Unſterblichkeit ſah er ein blaſ⸗ ſes, regungsloſes Antlitz, das ſich nie von ihm abwandte. Die Teufel der Hölle, die Ungeheuer des verborgenen Meeres hatten für ihn nichts ſo furchtbar Entſetzliches, als dasmenſchliche Antlitz der Todten, welche er geliebt hatte.

Das Wort ſeines Verdammungsurtheils war aus⸗ geſprochen. Während ſeines Fieberwahnſinnes und ſeines noch fürchterlicheren Erwachens, für Vergangen⸗ heit und Zukunft, während des freudelos verlebten Ta⸗ ges und der unterbrochenen Träume der Nacht lag ein Zauber auf ſeiner Seele eine Hölle war in ſeinem Inneren; und der Fluch ſeines Urtheils war nie zu vergeſſen!