Teil eines Werkes 
3. Bd. (1846)
Entstehung
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irrtes Weib hat das Leben nichts, was einem ſolchen Tode vorzuziehen wäre. Stumm und regungslos ſtand Falkland da; kein Wort des Jammers oder Schreckens entſchlüpfte ſeinem Munde. Endlich bückte er ſich nie⸗ der. Er ergriff die über das Bett herabhängende Hand und drückte ſie; ſie erwiderte den Druck nicht, ſondern entfiel kalt und ſchwer der ſeinigen. Er legte ſeine Wange an ihren Mund; nicht der ſchwächſte Hauch drang hervor, und jetzt erſt trat ein Wechſel auf ſeinem Geſichte ein; einen langen und letzten Kuß drückte er dieſem Munde auf und verließ ohne ein Wort, ohne eine Geberde, ohne eine Thräne das Gemach. Zwei Stunden ſpäter fand man ihn bewußtlos auf der Erde liegen, und zwar an eben der Stelle, wo er in der Nacht zuvor mit Emilien zuſammen geweſen.

Wochenlang wußte er nichts von dieſer Erde er war umgeben von den Geſpenſtern eines ſchreckli⸗ chen Traumes. Alles war Verwirrung, Finſterniß, Entſetzen eine Reihe und ein ewiger Wechſel von Qualen! Bald ward er in einem feurigen Stern durch den Himmel geſchleppt, von oben, von unten und ringsum mit unauslöſchlichen, aber ihn nie verzehren⸗ den Flammen umgürtet. Wohin er auf ſeiner Wande⸗ rung durch ſein ungeheueres, loderndes Gefängniß trat, war geſchmolzenes Feuer ſein Boden, ein glühender Qualm ſeine Luft. Blumen, Bäume und Hügel wa⸗ ren in dieſer Welt wie in der unſrigen, aber aus ei⸗ nem düſtern unerträglichen Lichte geformt, und rings umher zerſtreut erhoben ſich rieſenartige Paläſte und Tempel von dieſer lebendigen Flamme, wie die Behau⸗