43⁵ plötzlichen Schlage gelähmt, und ſprang dann die Trep⸗
pen hinauf. Er ging durch das Ankleidezimmer in das
Gemach, wo Emilie ſchlief. Die Läden waren nur halb
geſchloſſen, ein ſchwaches Licht drang herein und fiel auf das Bett, neben welchem zwei Frauen knieeten. Dieſe ſah
er weder, noch achtete er ihrer. Er zog die Vorhänge zu⸗
rück. Er ſah— was er im Traume ſchon in der verwiche⸗
nen Nacht geſehen— das veränderte, lebloſe Antlitz pon
Emilie Mandeville! Das Geſicht, noch immer voll zar⸗ ter Schönheit, war theilweiſe ihm zugewandt. Einige
dunkle Flecken auf Mund und Hals ſagten, wie ſie ge⸗ ſtorben— das Blutgefäß, welches früher geſprungen, war wieder aufgebrochen. Die liebevollen, ſanften Augen, welche für ihn ſtets nur einen Ausdruck ge⸗ habt, waren geſchloſſen, und die langen, aufgegangenen Flechten verbargen halb und hoben durch ihre Farbe die Bruſt, welche erſt in der verfloſſenen Nacht an der ſeinigen zu beben gelernt hatte. Glücklicher in ihrem Schickſale, als ſie verdiente, ſchied ſie aus dieſem bit⸗ teren Leben, ehe die Strafe ihrer Schuld begonnen hatte. Sie war nicht dazu verdammt, unter dem na⸗ genden Kummer der Schande oder der Kälte entfrem⸗ deter Neigung hinzuwelken. Von dem Manne, welchen ſie ſo ſehr verehrt, ſollte ſie nicht Kränkung oder Wechſel der Geſinnung gegen ſie erfahren, ſie ſtarb, während ſeine Leidenſchaft in ihrer vollen Kraft— ehe eine Blüte, ein Blatt verblichen war, und ſie verſank in den ewigen Schlummer, während ſein Kuß noch auf ihrer Lippe brannte, und ihr letzter Athemzug war bei⸗ nahe noch mit ſeinem Seufzer vermiſcht. Für ein ver⸗


