430 ten Luft; vor allen aber trat eine entzückende Vorſtel⸗ lung hervor, und dieſe beſtand darin, daß der mor⸗ gende Tag ihn für immer mit derjenigen verbinden ſollte, deren Beſitz ſie ihm nur noch theurer gemacht hatte. Inzwiſchen verfloſſen die Stunden, und wie er ſo ruhig und ſchweigend dalag, ſchlug die Glocke der fernen Kirche mit hellem, feierlichem Tone an ſein Ohr. Es war eine halbe Stunde nach Mitternacht. In die⸗ ſem Augenblicke durchlief ein eiskalter Schauer, der ſein Blut erſtarren machte, langſam ſeine Adern. Sein Herz ſchlug, wie in einem Vorgefühl des Nachfolgenden heftig und blieb dann ſtehen; das Leben ſelbſt ſchien hinzuſchwinden; kalte Tropfen ſtanden auf ſeiner Stirne; ſeine Augenlieder zitterten, und die Augäpfel rollten und ſtarrten wie die eines Sterbenden; eine tödtliche Furcht überkam ihn, ſo daß ſein Fleiſch erbebte und jedes Haar auf dem Haupte ein eigenes Leben erhal⸗ ten zu haben ſchien; das Mark in ſeinen Gebeinen ge⸗ rann, und ſein Blut wurde immer dicker, und wie zu einer ſtehenden, geronnenen Maſſe. In wilder unaus⸗ ſprechlicher Angſt ſtarrte er hinaus. Da ſtand am fern⸗ ſten Ende des Zimmers eine dämmernde, dünne Geſtalt wie Mondlicht, ohne beſtimmte Umriſſe oder Formen, ruhig unkenntlich, ſchattenhaft. Sprach⸗ und bewe⸗ gungslos ſtierte er ſie an; ſeine Geiſteskräfte und Sinne ſchienen in unnatürlicher Verzückung geſchloſſen. Allmählig wurde das Gebilde heller und immer heller vor ſeinem ſtarren weitaufgeriſſenen Auge. Er ſah wie durch einen wallenden, nebelartigen Schleier die Züge Emiliens, aber wie verändert!— eingefallen, farblos,
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