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„Haltet ein!“ rief Richard in großer Bewegung, die wahrſcheinlich aufrichtig war, denn ſein Geſicht wurde todtenbleich und ſeine Muskeln zuckten krampfhaft.„Ich möchte nicht, daß dieſe Erinnerung aus ihrer dunklen Ruhe aufgeſtört würde. Ich mochte gern den unbeſon⸗ nenen Wahnſinn meines Bruders in dem Glauben an ſeine dauernde Reue vergeſſen.“ Er ſchwieg und wendete ſein Geſicht ab, athmete tief und fuhr dann fort:„Die Urſache rechtfertigte den Vater, und ſie hätte auch mich gerechtfertigt, hätte Warwick auf meine Bewerbung gehoͤrt und mir das Recht gegeben, die ſeiner Tochter zugefügte Beleidigung als eine Beleidigung für mich anzuſehen.*
„Und wenn, mein Prinz,“ entgegnete Montagu leiſe und ſich umſehend,„wenn Euch noch die Hand der Lady Anna verſprochen würde?“
„Führt mich nicht in Verſuchung!“ rief der Prinz, ſich bekreuzend, und Montagu fuhr fort:„Unſere Sache — ich meine Lord Warwicks Sache, iſt nicht verloren, wie der König meint.“
„Fahrt fort,“ ſagte Richard, die Augen nieder⸗ ſchlagend, während ſein Geſicht wieder ſeine gedanken⸗ volle Ruhe annahm.
„Ich meine,“ fuhr Montagn fort,„daß bei meines Bruders Flucht ſeine Anhänger überraſcht wurden. Ver⸗ gebens würde der König ſeine Ländereien confisciren— er kann nicht die Herzen der Menſchen conſiseiren. Wenn Warwick morgen ſeinen bewaffneten Fuß auf den Boden ſetzte, glaubt Ihr, kluger und ſcharffinniger Prinz, daß der Kampf, welcher folgen würde, eine zweite Schlacht


