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Frau von Maintenon dachte, in dem Augenblicke, wo ich im Begriffe ſei, mich von ihr zu verabſchieden, könne fle ſich wohl einer kleinen Herzlichkeit hingeben, ſegnete mich daher und gab mir ihre Hand, die ich ſehr inbrünſiig küßte. Es war dazu trotz dem Alter der guten Königin eine ſehr hübſche Hand. Wir traten ſofort un⸗ ſeren Rückzug an, kamen wieder an den drei Damen vorbei, welche jetzt alle gähnten, und verfügten uns nach den Gemächern bes Königes.
„Was denken Sie von Madame?“ fagte Frejus.
„Was kann ich von ihr denken,“antwortete ich vor⸗ ſichtig,„als daß Größe in ihr die edelſte Form anzu⸗ nehmen ſcheint— die der Einfachheit!“
„Gewiß,“ verſetzte Frejus,„nie ſah man ein ſo ſanftes Gemüth verbunden mit einem ſo herablaſſenden Benehmen Bemerkten Sie Spuren früherer Schönheit?“
„Ja, es liegt wirklich etwas ſo Sanftes in ihrem Ge⸗ ſichte und etwas Regelmäßiges in ihren Zügen; was mir aber ammeiſten auffiel, war die nachdenkliche, ja traurige Ruhe,welche auf ihrem Geſichte liegt, wenn fie ſchweigt.“
„Der Ausbruck verräth den Geiſt,“ antwortete Fleury;„Uberdruß iſt der Fluch der Großen.“
„Der Großen ihrer„Stellung nach,“ ſagte ich, vaber nicht nothwendig der dem Geiſte nach Großen. Ich hahe mir ſagen laſſen, ber Biſchof von Fréjus ver⸗ wende ungeachtet ſeines Ranges und ſeiner Berühmtheit jede Stunde zum Vortheil Anderer, und folglich ohne Uberbruß ſür ſich ſelbß 4


