Teil eines Werkes 
1. Bd. (1845)
Entstehung
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beſtändiger Furcht vor der Sünde— er war wie ein Chemiker des Gewiſſens, der die geringſten Kleinigkei⸗ ten nach Skrupeln abwog. Spielen, Reiten, Laufen, einen Scherz belachen, ſich eine Melone ſchmecken laſſen, waren lauter Sünden, welche abgebüßt werden mußten, und ich ſah einſt, wie der vierzehnjährige Büßer(dafür, daß er dreiundzwanzig Kirſchen ſtatt achtzehn gegeſſen hatte) in der kälteſten Winternacht baarfuß und beinahe gänzlich nackt auf den Kaminplatten ſtand und aus Froſt, wie aus Andacht wie Eſpenlaub zitterte. Im Anfange ſuchte ich gegen die übertriebene Heiligkeit meines Bru⸗ ders anzukämpfen, als ich aber fand, daß meine Ermah⸗ nungen mit großem Widerwillen, ja mit einem gewiſſen Entſetzen aufgenommen wurden, ſo ließ ich denſelben nach ſeiner eigenen Weiſe glucklich ſein. Nur auf den Abbe blickte ich mit ſehr übelwollendem und eifer⸗ ſüchtigem Auge und prüfte die Gründe ſeiner Annähe⸗ rung an mich, während ich denſelben entgegenkam. Mein Argwohn gegen den Pfaffen wurde noch durch die Wahrnehmung verdoppelt, daß er je nach der Kenntniß, die er von unſeren Charakteren hatte, ſich verſchiedener Mittel zu Gewinnung unſeres Vertrauens zu bedienen ſchien. Auf meinen Bruder Gerald wirkte er bloß durch ſeine geiſtige überlegenheit, bald Ehrfurcht einflößend, bald überzeugend. Bei Aubrey benützte er den Aberglau⸗ ben. Mit mir ſprach er einerſeits weder von Reli⸗ gion, noch wandte er andererſeits Drohungen an, noch ſuchte er mich durch überzeugende Beweiſe zu irgend einem Schritte zu bewegen, den er von mir gethan wünſchte; Alles ſchien meiner Vernunft und meinem

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