Teil eines Werkes 
1. Bd. (1845)
Entstehung
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Viertes Kapitel.

Ein Wettſtreit der Liſt und ein Freundſchaftsbündniß— Zwei

Charaktere, die ſich gegenſeitig nicht kennen, und der Leſer um nichts klüger, als Jeder von ihnen.

Der Abbe war jetzt beſonders höflich gegen mich. Gerald und ich mußten mit ihm frühſtücken, und er wiederholte uns, wie nichts ſo liebenswürdig ſei, als Freundſchaft unter Brüdern. Wir ſtimmten ihm in dieſer Hinſicht bei und wurden, wie alle Philoſophen, ungeachtet der Anerkennung dieſes oberſten Grundſatzes nicht um ein Haar verträglicher. Vielleicht war trotz ſeiner ſchönen Worte der Abbeé die wirkliche Urſache, weßhalb es nie zu einem herzlichen Verhältniſſe zwiſchen uns kam. Indeſſen rauften wir uns nicht mehr— wir vermieden einander und wurden am Ende ſo höflich und ſo entfernt von einander, wie jene mathematiſchen Li⸗ nien, welche ſich alle mögliche Mühe zu einer gegenſei⸗ tigen Annäherung zu geben ſcheinen und deßhalb ſich doch um kein Jota näher kommen. Oh! Höflichleit iſt die ſchönſte Erfindung für gegenſeitiges Mißfallen. Au⸗ hrey und jch waren unzertrennlich und Beide gewannen durch den Umgang. Ich wurde milder und er männlicher; ja, was mich betrifft, ſänftigte ſein liebevolles Gemüth die Satire des meinigen ſo ſehr, daß ich ſpäter ebenſo oft zu lächeln, als zu ſpotten wußte.

Der Abbe übte fortwährend einen wunderbaren Ein⸗ fluß auf Aubrey aus; er hatte dem armen Knaben ſo viel von der jenſeitigen Welt vorgeſprochen, daß er allen Geſchmack an dieſer Welt verlor. Er lebte in