eine gewiſſe Furcht beigeſellte, über Alle errang, mit denen er in nähere Verührung kam? Das war ein Ge⸗ heimniß, das ſich mein Oheim nie zu erklären wußte, und deſſen Entdeckung mir ſelbſt erſt im ſpäteren Leben gelang. Theils wirkte er durch einen außerordentlich kräftigen Geiſt, theils, wenn ich den Ausdruck gebrau⸗ chen darf, durch eine Phyſiognomie des Benehmens, die am meiſten zu ſpotten ſchien, wenn er die größte Achtung zur Schau trug, und theils durch die Miene eines Men⸗ ſchen, der ſich nie ganz behaglich fühlte; nicht als ob er ſchüchtern, ohne Anſtand, oder auch nur ſchweigſam geweſen wäre— nein! es war eine nicht zu beſchrei⸗ bende Verlegenheit, wie wenn Jemand eine ihm zwar vertraute, aber nicht ganz angenehme Rolle ſpielte. Dieſe Verlegenheit war indeſſen hinreichend, um an⸗ ſteckend zu wirken und in Anderen jene Würde unſichet zu machen, die, ſeltſam genug, ihn nie verließ.
Er war von niedriger Herkunft; aber weder Sprache, noch äußeres Auftreten verriethen ſeine Geburt. Stolz paßte zu ſeinem Geſichte beſſer als Vertraulichkeit— und ſeine Züge, ſtreng, nachdenklich, und trotz des Lächelns kalt in ihrem Ausdrucke, waren überraſchend gebieteriſch. Er war von etwas mehr als mittleret Größe, und wäre ſein Gliederbau nicht auffallend hart, ſtark und muskulös geweſen, ſo hätte der gänzlicht Mangel an allem überflüſſigen Fleiſche der dürren Knochengeſtalt den Anſchein einer beinahe geſpenſter⸗ artigen Magerkeit gegeben. Er war in Wirklichkeit nicht älter, als achtundzwanzig Jahre; aber ſeine hohe breite Stirne war ſo mit Linien und Furchen gezeich⸗
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