Teil eines Werkes 
2. Bd. (1845)
Entstehung
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Faſſe Muth, meine holbe Schweſter, ſagte der Tribun, der zuerſt Jrenens flehendem Blick begegnete; nicht ein Haar auf dem Haupte derer, welche ſich des Namens Deines Geliebten rühmen, iſt gekrümmt. Danke dem Himmel, als ſeine Schweſter mit einem ſchwachen Schrei in ſeine Arme ſtürzte,daß es mein Leben war, gegen das ſie ſich verſchworen! Wäre es ein anderer Römer, ſo wäre Gnade ein Verbrechen geweſen! Theuerſte, möge Adrian Dich nur halb ſo lieben, wie ich; und voch, meine Schwe⸗ ſter und mein Kind, kann Niemand Deine ſanfte Seele kennen, wie ich, der ich ſeit ſie ihre erſte Blüte der Sonne entfaltete, über ihr wachte. Mein armer Bruder! hätte er gelebt, Euer Rath wäre auch der ſeinige geweſen, und mich dünkt, ſein ſanfter Geiſt haucht oft die Härte hinweg, die mich ſonſt gefühllos machen könnte. Nina, meine Königin, die Du mich begeiſterſt und ermahnſt, laſſe immer Dein Herz männlich in meiner Trübſal, weiblich gegenüber von meiner Macht ſein, und ſei mir mit Irenen auf Erden, was mein Bruder mir im Him⸗ mel iſt!

Der Tribun zog ſich, erſchöpft von der nächtli⸗ chen Unterſuchung, auf einige Stunden zur Ruhe zu⸗ rück; und als Nina, ihn mit ihren Armen umſchlie⸗ ßend, ſein edles Antlitz betrachtete da war die Sorge geſtillt, der Ehrgeiz beruhigt, ſeine Heiterkeit hatte beinahe etwas Erhabenes. Und Thränen jenes köſtlichen Stolzes, wie ſie das Weib für den Helden ihrer Träume vergießt, ſtanden ſchwer in den Augen