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Godolphin : ein Roman / von Eduard Lytton Bulwer. Übers. von Franz Kottenkamp];; Bd. 5
Entstehung
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ſantere Majeſtät. Neben dem Bette ſtand ein Tiſch, auf dem Bücher in bunter Miſchung lagen. Hier ein Syſtem der Finanzberechnungen, dort ein Band wilder bacchanaliſcher Lieder, hier Plato's Phädon und dort die letzte Rede eines Deputirten vom Lande über die Malzſteuer, alte Zeitungen und beſtaubte Flugſchriften vollendeten den literariſchen Wirrwarr und über den⸗ ſelben erhob ſich, kläglich genug, die hohe geſpenſte⸗ riſche Geſtalt einer halbgeleerten Arzeneiflaſche und ein Leuchter mit ſeinem Löſchhorn.

Ein leichter Schritt näherte ſich dem Bette, und dem Sterbenden gegenüber ſtand jetzt ein Mädchen, die vielleicht ihr dreizehntes Jahr erlebt hatte. Aber ihre Züge von außerordentlicher, man könnte wohl ſagen königlicher Schönheit waren ſo vollkommen entwickelt, als hätte ſie noch einmal ſo viel Jahre erlebt, und es war keine Spur von der ſanften, blü⸗ henden Farbe der Mädchenjahre in ihrem Geſichte zu entdecken. Ihr Teint war blaß wie der weißeſte Mar⸗ mor, aber klar und durchſcheinend, und ihr raben⸗ ſchwarzes Haar, nach damals ungewöhnlicher Mode über ber Stirne geſcheitelt, erhöhte noch die ſtatuen⸗ ähnliche, klaſſiſche Wirkung ihrer edlen Geſichtszüge. Der Ausdruck ihres Geſichtes ſchien kalt, geſetzt und etwas ſtrenge, doch belog er gewiſſermaßen ihr Herz; denn als ſie ſich zu dem Mondlicht wendete, waren ihre Augen mit Thränen angefüllt, wenn ſie gleich nicht weinte, und an dem Beben ihrer Lippe hätte man bemerken können, daß das geringe Zaudern, auf eine Außerung des Leidenden zu antworten, davon

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