Erſtes Kapitel.
John Vernon's Sterbebette— Seine letzten Worte— Schil⸗ derung ſeiner Tochter, der Heldin— Der Eid.
„Iſt die Nacht ruhig, Conſtanze?“
„Sehr ſchön! der Mond iſt aufgegangen.“
„Offne die Fenſterladen weiter— ſo! Es iſt in der That eine ſchöne Nacht. Wie ſchön! Komm hie⸗ her, mein Kind.“
Das volle Mondlicht, das jetzt durch das Fenſter hereinfiel, beſchien wenige Gegenſtände, die es mit poetiſcher Anmuth hätte bekleiden können. Das Zimmer war klein, ohne jedoch unreinlich zu ſein. Die Bettvor⸗ hänge von verblichenem Zitz waren zurückgeſchlagen und zeigten die Geſtalt eines Mannes, der das mitt⸗ lere Alter überſchritten hatte. Er war von Kiſſen um⸗ geben und trug auf ſeinem Geſichte die Spuren des herannahenden Todes. Aber welch ein Geſicht war es noch! Die breite, bleiche, hohe Stirn, die ſchöne, gerade, griechiſche Naſe, die kurze, gewölbte Lippe, das volle Kinn mit dem Grübchen, der Stempel des Genies in jeder Linie und in jedem Zuge— dieſe trotzten noch der Krankheit oder erborgten vielmehr von ihrem todtenähnlichen Auspruck eine noch impo⸗ Bulwer, Godolphin. 1


