Teil eines Werkes 
1. Bd. (1845)
Entstehung
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VI

ſich wohl denken, daß die Ueberſchauung von Ge⸗ genſtänden, womit wir vertraut find, gleichſam in einer Viſion durchaus nicht leicht iſt, da der Ge⸗ ſichtspunkt derſelben weſentlich und fortwährend von demjenigen verſchieden bleibt, an welchen wir bei der Betrachtung jener gewöhnt waren. Dieſe Schwierigkeit der Ausführung wird mir vielleicht als Entſchuldigung bei mißlungener Darſtellung dienen. Auch darf der Schriftſteller wohl einige Nachſicht mehr als gewöhnlich in Anſpruch nehmen, wenn er bei dem Egoismus ſeines Helden nur ſelten Gelegenheit fand, ſeinem eigenen Luft zu machen.

Ich trug kein Bedenken, dem Erzähler der folgenden Abenteuer die Thorheiten und Albern⸗ heiten der achtbaren Herren, die wir mit dem Geſammtnamen Stutzer bezeichnen, ſogar bis zu jenem Grade zu ertheilen, welchen Einige(viel⸗ leicht mit einem zu ſehr an den Buchſtaben ſich haltenden Urtheil) für übertrieben erklären. Ich handelte in dieſer Weiſe erſtlich, weil mein Held ein eifriges, obgleich unwürdiges Mitglied dieſer Klaſſe bildet; auch beſchreibt ja mein Roman die Sitten wie ſie find, nicht wie ſie ſein ſollten; zweitens, weil ich darlegen wollte, daß einige Neigung zur nützlichen Kenntniß auch mit den paſſendſten Beſchäftigungen der genannten erlauch⸗ ten Perſonen höchſt vortheilhaft verbunden werden kann, daß Dummheit und Vorurtheil, obgleich ſehr häufig, dennoch für den Charakter eines feinen Herrn durchaus nicht nothwendig find, mag auch ſeine Naſe ſehr zart für Wohlgerüche ſein, und mag auch ſein Geſchmack im Anzuge als Orakel gelten; drittens, und hauptſächlich, weil die ge⸗ wöhnlichen Leſer ſolcher Bücher einen Sittenroman