um einen ſolchen Geſchmack anziehender zu machen und der inſtinktartigen Auffaſſung des Schönen und Guten die Bil⸗ dung zu verleihen, welche in dem Schönen eine tiefere We⸗ ſenheit erkennt und durch Erhöhung des Standpunktes das Gute zum Beſſeren erweitert. So beſaß ſie Kenntniß ge⸗ nug, um mit dem geiſtigen Streben des Mannes zu ſympa⸗ thiſiren, nicht aber auf ſeinem eigenen Gebiete, dem der Anſichten, mit ihm zu ſtreiten. Ob übrigens in der Natur, oder im Wiſſen, immer war ſtets
„Ihr Blick das ſchönſte Blumenfeld,
Ihr Geiſt die reichſte Bücherwelt!“ Und doch, o weiſer Auſtin— und Du, dichteriſcher Roland, obſchon Du nie einen Vers geſchrieben haſt— wäre euer Werk unvollſtändig geblieben, wenn nicht das Weib ſich ein⸗ gemengt und die Mutter der Tochter ihrer Wahl die letzte Vollendung gegeben hätte durch die milden häuslichen Tu⸗ genden, durch das ſanfte Wort, welches den Zorn bannt, durch das engelgleiche Mitleid mit den rauheren Mängeln des Mannes, durch die Geduld, welche ihrer Zeit harrt und, keine„Rechte der Frauen“ erpreſſend, uns mit un⸗ ſichtbaren, entzückenden Banden unterjocht.
Erinnerſt Du Dich, meine Blanche, jenes lieblichen Sommerabends, an welchem endlich die Gelübde, die längſt ſchon von unſeren Augen ausgetauſcht worden waren, ſich über unſere Lippen ſtahlen? Komm an meine Seite, theure Gattin— ſieh mir über die Schulter, während ich ſchreibe. Da, Deine Thränen—(jind es nicht glückliche Thränen,
Blanche ²)— haben die Schrift ausgelöſcht!“ Sol ich der


