134
pen, und mit dieſem Lächeln verſchwand der Richtplatz, der Kerker, das Grauſen! mit dieſem Lächeln ſchien der unendliche Raum übergoſſen mit ewigem Sonnenſchein. Er ſtieg empor von der Erde— er ſchwebte über ihr— ein Weſen nicht mehr von irdiſchem Stoff— ein geiſtiges Bild von Freude und Licht! Droben öffnete ſich der Him⸗ mel, eine Tiefe nach der andern; und man ſah von Ferne die Heerſchaaren der Schönheit, Reihe um Reihe; und ein„Willkommen!“ ertönte in Myriaden Melodien aus Euren zahlloſen Chören, o Völker des Himmels—„Will⸗ kommen, o Du durch Opfer Gereinigter, und Unſterbli⸗ cher durch das Grab— nur das heißt ſterben!“ Und ſtrahlend unter den Strahlenden ſtreckte das geiſtige Bild ſeine Arme aus, und flüſterte der Schläferin zu:„Ge⸗ noſſin der Ewigkeit! das heißt ſterben!“
„Ha! warum winken ſie uns von den Giebeln der Häuſer? Warum rottet ſich das Volk in den Straßen zuſammen? Warum ertönt die Glocke? Was bebeutet das gellende Sturmläuten? Hört das Feuern! das Waf⸗ Mitgefangene, iſt am Ende noch Hoffnung für uns?“
So raunen die Gefangenen feuchend einander zu. Der Tag erbleicht— der Abend bricht ein; immer fort drücken ſie ihre bleichen Geſichter ans Gitter; und immer ſehen ſie aus den Fenſtern und von den Giebeln der Häu⸗ ſer das Lächeln von Freunden— die wehenden Signale. „Hurrah!“ endlich—„Hurrah! Robespierre iſt gefallen! Die Schreckensherrſchaft iſt nicht mehr! Gott hat uns das Leben gefriſtet!“
Ja! wirf einen Blick in den Saal, wo der Ty⸗ rann und ſein Conclave das Toben draußen gehört haben! — Die Prophezeiung von Dumas erfüllend, taumelt Hen⸗ riot, trunken von Blut und Branntwein, herein, und


