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Mann.„Die Qual des Leibes tilgt Jahre der Pein des Fegfeuers von Deinem Urtheilsſpruch. Daran denke und ſegne ſelbſt die Todesangſt dieſer Stunde!“
„Ja!“ murmelte Calderon;„ich ſegne dieſe Stunde. Inez, Deine Tochter hat Deinen Mord gerächt! Möge der Himmel das Opfer annehmen! und mögen meine Augen, ſelbſt über den feurigen Abgrund hinüber, er⸗ wachend auf Dir ruhen!“
Hier überflog ein heiteres und zufriedenes Lächeln das Angeſicht, auf welches die Menge mit athemloſem Schauer hinſtarrte. Noch eine Minute— und ein Aechzen, ein Schrei entfuhr dieſer zahlloſen Menge; und ein blutiges, geiſterbleiches Haupt, vom Rumpfe getrennt, ward emporgehoben.
Zwei Zuſchauer dieſer Hinrichtung bofanden ſich auf einem der Balkone, die eine volle Ausſicht auf dieſe Schreckensſcene gewährten.
„So geht mein ſchlimmſter Feind zu Grunde!“ ſagte Uzeda.
„Wir müſſen Alles opfern, Freund und Feind, im erbarmungsloſen Fortſchritt der großen Sache,“ ver⸗ ſetzte der Großinquiſitor; aber er ſeufzte zu dieſen Worten.
„Guzmann iſt jetzt bei dem König,“ ſagte Uzeda in das Zimmer tretend.„Ich erwarte jeden Augen⸗ blick zum König berufen zu werden.“
„Ich kann Deine ſanguiniſchen Hoffnungen nicht theilen, mein Sohn,“ ſagte Aliaga, den Kopf ſchüttelnd.
Bulwer's Romane. LXXIV. 8


