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„Mein Beruf hat mich tiefer in den Charakteren der Menſchen leſen gelehrt. Gaſpar de Guzman wird ſich jeden Nebenbuhler aus dem Wege räumen.“
Während er ſprach trat ein königlicher Kammer⸗ herr ein. Er händigte dem Großinquiſitor und dem harrenden Herzog zwei Briefe mit der königlichen Un⸗ terſchrift ein. Es waren die Mandate der Verbannung und Ungnade. Nicht einmal der geiſterhafte Rang des Großinquifitors, nicht einmal die tiefſchlauen Manöu⸗ vres von Lerma's Sohn halfen ihnen etwas gegen die Wachſamkeit und Kraft des neuen Günſtlings. Im gleichen Augenblick verkündigte ein Jubelruf der wan⸗ delbaren Menge drunten, daß die Wahl des neuen Miniſters des Königs bekannt und gebilligt worden. Und Aliaga und Uzeda wechſelten Blicke, welche all die Leidenſchaften verriethen, die den vereitelten Ehr⸗ geiz zum ärgſten Höllenfeind machen, als ſie das ge⸗ waltige Geſchrei hörten:
„Lang lebe Olivarez, der Reformator!“
Gedämpft und ſchwach kam dieſer Ruf Philipp IV. zu Ohren, als er in ſeinem Palaſt neben ſeinem neuen Miniſter ſaß.
„Woher kommt dieß Geſchrei?“ fragte der König haſtig.
„Ohne Zweifel ſteigt es empor aus den redlichen Herzen Eures loyalen bei der Hinrichtung Cal⸗ derons.“
Philipp bedeckte ſich das Antlitz mit der Hand und ſann einen Augenblick nach; dann mit einem ſarkaſtiſchen“


