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Calderon, der Höfling / von dem Verfasser Pelham's, Eugen Aram's, Rienzi's usw. Aus dem Engl. von Gustav Pfizer
Entstehung
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den König geübt; die übrigen waren größtentheils ebenſo lächerlich und ausſchweifend. Dieſen Anklagen trat Calderon mit einer Würde entgegen, welche ſeine Feinde verwirrte und den allgemein verbreiteten Glau⸗ ben hinſichtlich der Elemente ſeines Charakters Lügen ſtrafte. Auf die Folter gebracht, ertrug er ihre Mar⸗ tern ohne ein Stöhnen; und alle Hiſtoriker legen über⸗ einſtimmendes Zeugniß ab von der Geduld und dem Heroismus, welche den Schluß ſeiner wilden, meteor⸗ gleichen Laufbahn auszeichneten. Endlich ſtarb Phi⸗ lipp III. Der Infant beſtieg den Thron dieſer Prinz, für welchen der ehrgeizige Höfling Leben und Seele aufs Spiel geſetzt hatte! Jetzt glaubte das Volk, man würde ihm ſein Opfer entziehen. Aber es irrte ſich. Der neue König hatte bereits das Daſeyn des Günſtlings des Prinzen vergeſſen. Guzman aber, der unter dem Schein, den Intereſſen Uzeda's zu die⸗ nen, heimlich nach dem Alleinbeſitz der königlichen Gunſt ſtrebte, fühlte ſich nicht ſicher, ſo lange Calderon noch lebte. Der Gang der Inquiſition war zu lang⸗ ſam für die Ungeduld ſeiner Furcht; und da dieß ge⸗ fürchtete Tribunal ſich rühmte, nie den Tod zu ver⸗ hängen, ehe der Angeklagte ſeine Schuld geſtanden, vereitelte die Feſtigkeit Calderons die Rachſucht des geiſtlichen Geſetzes. Neue Unterſuchungen wurden an⸗ geordnet: ein Leichnam ward aufgefunden, in Calde⸗ rons Garten begraben der Leichnam einer Frau. Er ward des Mordes angeklagt. Auf dieſe Anklage hin ward er von der Inquiſition an die regelmäßigen