106
Calderons Herz. Es war Beatriz, in ihrem Blut ge⸗ badet, die zu den Füßen ihres wahnfinnigen Geliebten niederſank.
„Tochter und Mutter, Beide!“ murmelte Calderon; und er fiel, als hätte der Stahl ihn durchbohrt, neben ſeinem Kind nieder.
„Elender! was haſt Du gethan?“ ſprach eine Fon⸗ ſeca's Ohr fremde Stimme; eine Stimme, halb er⸗ ſtickt von Grauſen und vielleicht von Reue. Der Prinz von Spanien ſtand auf dem Platze und ſeine Füße badeten in dem Blut der geopferten Jungfrau. Das Mondlicht allein beleuchtete das Schauſpiel des Ver⸗ brechens und Todes; und die Geſichter Aller erſchienen geiſterhaft in ſeinen Strahlen. Beatriz wandte das Auge auf ihren Geliebten mit einem Ausdruck himm⸗ liſchen Mitleids und zärtlicher Verzeihung; dann, an Calderons Bruſt ſinkend, flüſterte ſie:
„Verzeih' ihm, verzeih' ihm, Vater! Ich werde meiner Mutter ſagen, daß Du mich geſegnet haſt!“ 4 3
* 3** 3
Mehrere Tage nach dieſer Schreckensnacht pörte man bei Hof nichts von Calderovn. Seine Abweſenheit war nnerklärlich; denn obgleich natürlich die Flucht der Novize bekannt wurde, hatte man doch keine Ahnung von ihrem Schickſal; und ihr Rang war zu gering, als daß er pätte großes Intereſſe an ihrer Flucht, oder viele Lebhaftigkeit in ihrer Verfolgung verurſachen


