Druckschrift 
Calderon, der Höfling / von dem Verfasser Pelham's, Eugen Aram's, Rienzi's usw. Aus dem Engl. von Gustav Pfizer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Gönnerſchaft Lerma's unterſtützte, Euch der beſondern Berückſichtigung des Königs empfahl und in den Sonnen⸗ ſchein der königlichen Gunſt brachte: da geſchah es, weil ich in Eurem Herzen und Kopf jene Eigenſchaften geleſen hatte, welche die geiſtlichen Herren der Welt immer für ihre Sache zu benützen ſuchen. Ich kannte Dich als muthig, ſchlau, hochſtrebend, rückſichtslos. Ich wußte, daß Du nicht zurückſcheuen würdeſt vor den Mitteln, welche Dir einen großen Zweck verbürgten. Ja, als ich Dich vor Jahren am Thale des Fenil Deine Hände im Blute Deines Feindes baden ſah, und Dein Lachen des triumphirenden Haſſes hörte; als ich, einziger Mitwiſſer Deines Geheimniſſes, Dich nachmals von Deiner Heimath fliehen ſah, befleckt von einem zweiten Mord, aber immer noch ruhig, ernſt und Herr Deiner Vernunft, da ſagte mir meine Men⸗ ſchenkenntniß: aus ſolchen Männern laſſen ſich gewal⸗ tige Bekehrte und mächtige Werkzeuge machen!

Der Prieſter ſchwieg; denn Calderon hörte nicht auf ſeine Worte. Seine Wange war gelb, ſeine Au⸗ gen geſchloſſen, ſeine Bruſt arbeitete ſchwer.

Gräßliche Erinnerung! murmelte er;unglück⸗ ſelige Liebe fürchterliche Rache! Inez Inez, was haſt Du zu verantworten!

Tröſte Dich mein Sohn! Ich wollte nicht den Verband von Deiner Wunde reißen.

Wer ſpricht da? rief Calderon auffahrend.Ha, der Prieſter, der Prieſter! Ich glaubte die Todten zu hören. Sprich weiter, ſprich weiter; ſprich von der

(

+