————————ͤ——
am Hofe werden, wenn ich einmal Monarch bin und Du Miniſter!“
Calderon ſchaute den Prinzen ernſt an, aber ſein forſchender Blick diente nicht dazu, einen gewiſſen Ver⸗ dacht gegen die königliche Aufrichtigkeit zu zerſtreuen, welcher dann und wann mitten unter den ſanguiniſch⸗ ſten Tränmen des Prinzen auftauchte. Bei aller Luſtig⸗ keit Philipps lag etwas Gezwungenes und Lauerndes in ſeinem zweideutigen Lächeln und ſeinem ruhigen, tiefliegenden, glänzenden Auge. Calderon, an Geiſt ihm unermeßlich überlegen, war vielleicht kaum dieſem bartloſen Knaben gewachſen an Heuchelei und Tücke, an ſelbſtfüchtiger Kälte, an gereifter Verdorbenheit.
„Nun,“ fuhr der Prinz fort,„ich ſage Euch dieſe ſchönen Sachen nicht ohne eine beſtimmte Abſicht. Ich hin Eurer benöthigt— ſehr benöthigt; nie bedurfte ich ſo dringend Eurer Dienſte als in dieſem Augenblick; nie hatte ich eine ſo große Bitte und Aufgabe für Eure Erfindungskraft, Gewandtheit und Euern Muth. Wißt, Calderon, ich liebe!“
„Mein Fürſt,“ ſagte der Marguis lächelnd,„gewiß iſt es keine erſte Liebe. Wie oft hat Eure Hoheit—“
„Nein,“ fiel ihm der Prinz haſtig ins Wort,— „nein, ich habe nie geliebt bis jetzt. Man kann nie lieben, was man ſo leicht gewinnen kann; aber dieß Herz, Calderon, dieß Herz wäre eine Eroberung. Höre mich an. Ich war geſtern mit der Königin in der Ka⸗ pelle des Kloſters der h⸗ Maria vom weiſſen Schwert.
Du weißt, daß die Aebtiſſin früher Kammerfrau war,


