10
ab, nicht achtend auf die ſtattlichen Gruppen, an denen er anſtieß, oder die vorwurfsvollen Blicke, die er auf ſich zog; manchmal blieb er plötzlich ſtehen, richtete die Augen in die Höhe, murmelte etwas, zupfte an ſeinem Mantel oder ſpielte mit ſeinem Degenknopf; oder auch wandte er ſich raſch gegen ſeine ernſten, gravitätiſchen Nachbarn, wenn eine Bemerkung über ſein ſeltſames Weſen ihm zu Ohren kam und trieb das Blut in manche hochmüthige Wange durch ſeinen finſtern, Trotz und Verachtung ausſprechenden Blick. Es war leicht zu merken, daß dieſer Mann zu der Klaſſe heftiger, eitler, junger Menſchen gehörte, welche immer begierig ſind Beleidigungen zu ahnden und Händel zu ſuchen. Dennoch hatte der Kavalier edle und große Eigenſchaften. Den Höfen fremd, war er im Lager berühmt wegen ſeiner ritterlichen Großmuth und einer maßloſen Tapferkeit, welche mit der der alten Helden ſpaniſcher Romanzen und Lieder wetteiferte. Sein Morgen war von der Art, daß er einen heißen Mittag und einen herrlichen Abend verſprach. Der Name dieſes tapfern Soldaten war Martin Fonſeca. Er war von einem alten aber verarmten Haus und in weitläuftigem Grade mit dem Herzog von Lerma verwandt. In ſeiner früheſten Ingend hatte er Grund gehabt, ſich als muthmaßlichen Erben eines reichen Oheims von mütterlicher Seite zu betrachten; und un⸗ ter dicſen Ausſichten war er, noch als Knabe, von dem Kardinal⸗Herzog an den Hof geladen worden. Aber hier hatte die rohe und derbe Geradheit ſeines


