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Calderon, der Höfling / von dem Verfasser Pelham's, Eugen Aram's, Rienzi's usw. Aus dem Engl. von Gustav Pfizer
Entstehung
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mußten. Vielleicht ließ gerade auch die Größe von Caldérons Talenten ihn die Machinationen des Herzogs allzu hochmüthig verachten, der, obgleich nicht ohne einige Fähigkeiten als Höfling, doch völlig untüchtig war zu den Obliegenheiten und Geſchäften eines Mi⸗ niſters, worauf ſein ehrſüchtiges Trachten ging.

Dieß war der Stand der Parteien am Hofe Phi⸗ lipps III. zu der Zeit, wo unſere Erzählung beginnt, deren Schauplatz das Vorzimmer des Don Rodrigo Calderon iſt.

Es iſt nicht zu dulden, ſagte Don Felir de Caſtro, ein alter Edelmann, deſſen ſcharfe Züge und kleiner Wuchs die Reinheit ſeines Bluts und das Alter ſeiner Abkunft bezeugten.

Gerade drei Viertelſtunden und fünf Minuten habe ich auf Audienz gewartet bei einem Burſchen, der einſt ſichs zur Ehre geſchätzt hätte, wenn ich ihm befohlen hätte, meinen Wagen zu beſtellen, ſagte Don Diego Sarmiento de Mendoia.

Nun, wenn es Euch ſo wurmt, Ihr Herren, warum kommt Ihr denn überhaupt hieher? Ich möchte faſt behanpten, Don Rodrigo kann Eurer Aufwartun⸗ gen entbehren.

Dieſe Worte ſagte in derbem Ton ein junger Edelmann von gutem Ausſehen, deſſen ungeſtümes und reizbares Temperament ſich durch eine Ungeduld in Be⸗ wegungen und Geberden verrieth, wie ſie bei ſeinen Landsleuten nicht gewöhnlich. Manchmal wandelte er mit ungleichen Schritten in den Gemächern auf und