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von wo man es am wenigſten erwartet hätte. Der Kardinal⸗Herzog, natürlich ängſtlich beſorgt, ſein An⸗ ſehen zu befeſtigen und dauernd zu machen, hatte ſeinen Sohn, den Herzog von Uzeda, auf einen Poſten geſetzt, der ihm beſtändigen Zutritt zum Monarchen gab. Dik Ausſicht auf Macht bewirkte, daß Uzeda Luſt bekam, mit Einemmal all ihre Vortheile ſich zu⸗ zueignen; und es ward die Aufgabe ſeines Lebens, ſeinen Vater auszuſtechen. Dieß wäre auch leicht ge⸗ weſen, ohne den Geiſt und die Wachſamkeit Calderons, den er als Nebenbuhler haßte, als Emporkömmling verachtete und als Feind fürchtete. Philipp merkte bald den Kampf zwiſchen den beiden Faktionen, aber im ächten Geiſte ſpaniſcher Königstücke, richtete er ſein Augenmerk darauf, ſich immer der einen gegen die andere zu bedienen. Und ſo mächtig Calderon war, durfte er doch nicht offen darnach trachten, Uzeda zu ſtürzen; während Uzeda, ungeſtümer und vielleicht offe⸗ ner, tauſend Plane zum Sturze des erſten Günſtlings ſchmiedete.
Die häufigen Sendungen, hauptſächlich nach Por⸗ tugal, zu welchen in neueſten Zeiten Calderon ver⸗ wendet worden war, hatten Uzeda möglich gemacht, ſich mehr und mehr in Beſitz des königlichen Vertrauens zu ſetzen; während gerade die Mittel, welche Don Rodrigo gewählt hatte, ſeinen Einfluß auf die Dauer zu befeſtigen, indem er ſich dem Prinzen angenehm und nothwendig machte, natürlich ſeine Aufmerkſam⸗ keit von den Intriken ſeines Nebenbuhlers abziehen
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