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Calderon, der Höfling / von dem Verfasser Pelham's, Eugen Aram's, Rienzi's usw. Aus dem Engl. von Gustav Pfizer
Entstehung
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meinen Haß zu. Aber ſeine außerordentliche Gewandt⸗ heit und rüſtige Thatkraft, ſeine vollendete Meiſter⸗ ſchaft in der Wiſſenſchaft der Intrike, erhielten ihm nicht nur ſeine Macht, ſondern ſteigerten ſie noch fort⸗ während. Obgleich der König noch in ſeinen beſten, mittleren Jahren ſtand, war doch ſeine Geſundheit ſchwach und ſein Leben unzuverläſſig. Calderon hatte, während er die Gunſt des regierenden Monarchen ſich bewahrte, ſich zugleich zum Freund und Geſellſchafter des muthmatlichen Erben zu machen gewußt. Hierin hatte er wirklich nur der Politik des Königs ſelbſt ſich zu unterwerfen den Schein angenommen; denn Phi⸗ lipp IIMI. hatte entſetzliche Angſt vor dem möglichen Ehrgeiz ſeines Sohnes, welcher frühe ſchon Talente an den Tag legte, die ihn hätten furchtbar machen können, wären nicht ſeine Leidenſchaften geweſen, die ihn zu den laſterhafteſten Vergnügungen und den un⸗ mäßigſten Ausſchweifungen verleiteten. Die Schlauheit des Königs gefiel ſich in dem liſtigen Plan, in die Nähe der Perſon des Infanten einen ihm ſelbſt erge⸗ benen Mann zu bringen; und ſo fromm er war, em⸗ pörte ſich doch ſein Gewiſſen keineswegs über ſeines Sohns wüſtes Leben, welches, wie es hieß, ſein Günſt⸗ ling theilte und vielleicht gar beförderte; denn je weniger populär der Prinz, um ſo mächtiger war der König.

Mittlerweile aber ward eine mächtige Kabale an⸗ geſponnen gegen den Herzog von Lerma wie gegen Don Rodrigo Calderon, und zwar von einer Seite,