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Calderon, der Höfling / von dem Verfasser Pelham's, Eugen Aram's, Rienzi's usw. Aus dem Engl. von Gustav Pfizer
Entstehung
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König und die Inquiſition hatten einige Jahre vor dem Zeitpunkt, mit welchem unſere Geſchichte beginnt, die allgemeine Vertreibung der Morisken des reich⸗ ſten, thätigſten und gewerbſamſten Theils der Bevöl⸗ kerung beſchloſſen.

Lieber wollte ich, ſagte der bigotte König und ſeine Worte wurden von dem Enthuſiasmus der Kirche begrüßt und gerühmtmein Königreich ent⸗ völkern, als einem einzigen Ungläubigen den Aufent⸗ halt darin geſtatten.

Der Herzog von Lerma ging in den Plan ein, der Spanien vieler ſeiner ſchätzbarſten Unterthanen be⸗ raubte, mit dem Eifer eines frommen Katholiken, der auf den Kardinalshut ſpannt, den er auch nachmals davontrug. Aber in dieſen Plan brachte Calderon eine Energie, eine Entſchiedenheit eine Gewaltſamkeit und Spürkraft des Haſſes, welche mehr nach perſön⸗ licher Rachſucht als nach religiöſem Verfolgungsgeiſt ſchmeckte. Seine Beharrlichkeit in dieſem guten Werke befeſtigte ihn gründlich in des Königs Gunſt, und unter⸗ ſtützt ward er hiebei durch die Freundſchaft nicht nur Lerma's, ſondern auch des Fray Lonis de Aliaga, eines berühmten Jeſuiten und Beichtvaters des Königs. Das Unheil und die Leiden, welche dieſer barbariſche Kreuz⸗ zug zur Folgd hatte, der die königlichen Einkünfte ſehr herabdrückte und die Güter der vornehmſten Barone ernſtlich beſchädigte, aus deren Beſitzungen die fleißigen und einſichtsvollen Morisken vertrieben wurden, zogen zuletzt der Perſon Calderons einen tiefen und allge⸗